Am Kap geht es erst los


Südafrika hat die meisten Corona-Fälle in Afrika. Auch wenn die Zahlen denen in Europa noch hinterherhängen, warnen Experten vor einer rasanten Ausbreitung des Virus. Von Julia Jaki, Kapstadt, 27. März 2020

Von Julia Jaki, Kapstadt, 27. März 2020

KRISP Zeit Online Report in German on COVID-19

Ein Polizist in Johannesburg fordert die Menschen vor einem Supermarkt auf, Abstand zu halten. © Marco Longari/AFP/Getty Images

Auf einen Schlag ist es ruhig geworden im Bo Kaap. Stühle und Tische in Faeeza’s Café sind mit Plastikplanen verhüllt. Ein leichter Nieselregen bedeckt die nahezu menschenleeren Straßen des malerischen Kapstadter Viertels. Bis vor wenigen Tagen sah das noch anders aus. Während sich Deutschland bereits in Covid-19-bedingter Isolation übte, tummelten sich noch scharenweise europäische Besucher im spätsommerlichen Kapstadt. Und die lokale Bevölkerung, ob Reiseführer, Händler oder Cafébesitzer, interagierte mit den Touristen. Es ist wohl einer Mischung aus Arglosigkeit, politischer Überforderung und wirtschaftlicher Notwendigkeit zuzuschreiben, dass das öffentliche Leben am Kap bis vor Kurzem noch relativ ungestört weiterlief, und dass bis Mitte März Tausende Touristen auch aus Risikogebieten ins Land strömten.

Nachdem am 5. März der erste Fall von Covid-19 in Südafrika registriert wurde, ein 38-jähriger Mann, der aus Italien zurückreiste, dauerte es noch knapp zwei Wochen, bis die Regierung eine Einreisesperre für Besucher aus Risikoländern in Kraft setzte.

Seit Donnerstag null Uhr Ortszeit ist Südafrika nun voll und ganz in der Realität der Pandemie angekommen. In einer offiziellen Ansprache Anfang der Woche kündigte Präsident Cyril Ramaphosa eine dreiwöchige Ausgangssperre als wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie an. Die Zahl der mit Covid-19 infizierten Personen ist inzwischen innerhalb von knapp zwei Wochen von 61 auf rund 1.000 Fälle angestiegen, Todesfälle gibt es bislang zwei.

Unterstützung durch das Militär

Seit Mitternacht dürfen rund 58 Millionen Südafrikaner nur noch für Arzt- und Apothekenbesuche und zum Einkaufen das Haus verlassen. Restaurants, öffentliche Einrichtungen und die meisten Geschäfte sind geschlossen, offen bleiben Filialen der großen Supermärkte und Banken. Auch Joggen oder den Hund Gassiführen sei untersagt, präzisierte der Polizeiminister Bheki Cele während einer Pressekonferenz. Ausgenommen von der Regelung sind Menschen, die die Grundversorgung sicherstellen, unter anderem Mitarbeiter im Gesundheitswesen, bei Polizei und Sicherheitsdiensten, sowie Tankwarte und Supermarktangestellte.

Unterstützung bei ihrer Arbeit bekommt die Polizei von den südafrikanischen Streitkräften. Einen Tag vor Beginn des Lockdowns rollten Panzer in Kapstadt ein.

Ob Maßnahmen wie der Einreisestopp zu spät kämen, sei angesichts der schlechten Datenlage nicht so einfach zu sagen, erklärt Richard Lessells im Telefoninterview. Er ist Spezialist für Infektionskrankheiten an der University of KwaZulu Natal im südafrikanischen Durban. Die Universität hat bereits vor dem ersten positiv getesteten Covid-19-Fall im Land ein Einsatzzentrum gegen das Coronavirus eingerichtet. Seitdem unterstützen Lessells und sein Team das Gesundheitsministerium der Provinz. Die Wissenschaftler erarbeiten klinische Protokolle, trainieren Mitarbeiter im Gesundheitswesen und stocken die Testkapazitäten auf. Soweit sei die Provinz gut aufgestellt.

Was die exponentielle Wachstumsrate der Covid-19-Fälle angehe, so folge Südafrika anderen Ländern wie Italien, sagt Lessells. Das Bevölkerungsprofil sei im Vergleich zu Italien zwar weitaus jünger. Sorgen mache ihm jedoch die hohe Zahl an Menschen, die an chronischen Lungenkrankheiten leidet: "Wie sich das konkret auf die Ausbreitung auswirken wird, wissen wir aber noch nicht, wir hatten bisher noch nicht so viele schwere Fälle."

Auf dem Parkplatz des Discounters Makro in Kapstadts Vorort Durbanville kommt es wenige Stunden vor Inkrafttreten der Ausgangssperre am Donnerstag zum Stau. Trotz Aufrufen von Politikern, Hamsterkäufe zu unterlassen, deckten sich auch Südafrikaner mit Desinfektionsmittel, Dosenessen, Grundnahrungsmitteln und dem obligatorischen Toilettenpapier ein. Präziser gesagt, der Teil der Bevölkerung, der es sich leisten kann, auf Vorrat zu kaufen. Die Vorbereitungen auf die Ausgangssperre spiegeln die Besitzverhältnisse im Land wieder: Südafrika zählt zu einem der ungleichsten Länder der Welt. Die offizielle Arbeitlosenquote liegt bei 29 Prozent, bei jungen Erwachsenen gar bei 55 Prozent.



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News date: 2020-03-27

Links:

http://www.krisp.org.za/manuscripts/KRISPZeitNews20Mar2020.pdf


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